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Können Bienen den Coronavirus bekommen?

Können Bienen krank werden?

Die Infektionskrankheit Coronavirus beherrscht die Schlagzeilen der Welt. Insekten kommen in Infektionsgeschichten meist nur in ihrer Rolle als Krankheitsüberträger vor, beispielsweise bei der Übertragung von Zica-, Dengue- und West-Nil-Viren durch bestimmte Stechmückenarten. Können Bienen selbst an einem grippeähnlichen Virus erkranken?

Können Bienen krank werden und eine Grippe oder Infektionskrankheit bekommen?

Bienen können nicht vom Coronavirus oder einer Grippe befallen werden. Die meisten Viren infizieren überhaupt nur eine bestimmte Spezies. Alarmiert zeigten sich Biologen kürzlich, als sie in Solitärbienen und Schwebefliegen drei Arten von Bienenviren nachgewiesen werden konnten.

Welche Auswirkungen Viren auf Insekten haben

Auf den ersten Blick weisen betroffene Tiere normalerweise keine offensichtlichen Symptome auf. Unter näherer Betrachtung kann man feststellen, dass das Immunsystem reagiert. Die Auswirkung der Viren fällt je nach Art unterschiedlich aus. Die von Malaria betroffenen Mücken weisen beispielsweise eine verkürzte Lebensdauer auf. Andere Virentypen können über gelegte Eier hinweg übertragen werden und sichern ihren Fortbestand so über viele Insektengenerationen hinweg, ohne dass dies offensichtliche negative Auswirkungen bei den Tieren bestehen. Darüberhinaus sind auch Viren bekannt, welche befallenen Insekten sogar gewisse Vorteile verschaffen können. So können beispielsweise Pflanzenviren die Biologie der Insekten selbst insoweit verändern, daß ihnen eine Möglichkeit eröffnen wird sich von kranken Pflanzen zu ernähren.

Tödliche Bienenviren

Infektionskrankheiten die Bienen oder andere Insektenspezies direkt abtöten können sind ebenfalls bekannt. Gerade in Kombination mit Parasiten (wie der Varroa-Milbe) und dem Einsatz von Pestiziden und Mikrowellenstrahlung führen diese Viren zu einem massenweisen Völkersterben. Heute sind viele Honigbienen Wirte für verschiedene Virentypen. Manchmal können diese Viren sogar auf andere Bienenarten übertragen werden.

Identifikation von Bienenviren

Für eine Virenuntersuchung wurden in den USA in einem Versuch 284 Wildbienen aus vier Blumenwiesen mit Honigbienen aus einem Bienenkorb verglichen. Mithilfe eines chemischen Prozesses analysierte man das genetische Material. Viele Viren verwenden RNA anstelle der DNA als genetisches Material. Sobald eine Biene infiziert wird, enthält die extrahierte RNA sowohl die Bienen als auch die virale RNA. Unter Zuhilfenahme der qRT-PCR-Methode (quantitative Reverse Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion) wurden im Versuch die RNA-Anlagen identifiziert und ausgewertet. Anhand der ermittelten Ergebnisse konnte aufgeschlüsselt werden, welche Anteile an viraler RNA jeweils in einer bestimmten Biene vorhanden sind.

Ergebnis der Studie

Die Bienenforscher stellten fest, dass nahezu jede untersuchte Honigbiene (80,4%) mindestens ein Honigbienenvirus enthielt. Fast jeder dieser Viren fand sich auch bei fast allen Wildbienen. Doch tatsächlich war die Virenlast (Virenanzahl im Körper) bei Wildbienen sehr viel niedriger, als bei den Honigbienenvölkern. Obgleich die Bienen äußerlich gesund waren bedeutete dies nicht, dass sie nicht früher oder später an den aufgenommenen Viren erkranken oder sterben könnten.

Ein weiterer Versuch

Um die tatsächliche Wirkungsweise weiter zu erforschen wurden in einem weiteren Versuch zwei gewöhnliche Wildbienen absichtlich mit weitverbreiteten Honigbienenviren (Inokulum) in Verbindung gebracht. Man gab den Bienen zu diesem Zweck kontaminierte Nahrung. Genau der gleiche Virentyp wurde auch einigen Honigbienen gegeben, um sicherzustellen, dass die Bienen durch den Virus auch tatsächlich krank werden könnten.

Die meisten Honigbienen starben dann in kurzer Zeit an den Folgen dieser Infektion. Die Forscher beobachteten allerdings, dass nur sehr wenige Wildbienen, die sich mit hohen Dosen des viralen Inokulums infiziert hatten daran starben. Die gleiche Menge an Viren war einerseits für die Honigbienen tödlich, doch die beobachteten Wildbienen wurden davon nicht ernsthaft krank. Viren, die für Honigbienen tödlich sind, töteten die Wildbienen nicht.

Dies bedeutet, dass Honigbienen zwar Viren auf Wildbienen übertragen, diese Viren sich jedoch nicht übermässig ausbreiten, so dass die Wildbienen davon üblicherweise nicht krank werden oder sterben. Inwieweit die Infektion zu einer Verhaltensänderung oder zusätzlichem Streß (Hunger oder gesteigerten Pestizidwirkungen) führt muß Gegenstand weiterer Forschung sein. Um ein vollständigeres Bild zu erhalten, müssten Wildbienen dafür über ihre gesamte Lebensspanne beobachtet werden. Die angeführten Studien untersuchten außerdem nur die Wirkung von fünf Bienenvirentypen. Tatsächlich gibt es viele weitere Viren und Wildbienenarten, so dass zu diesem Thema noch viel Forschungsarbeit zu leisten ist.

Übertragung von Bienenkrankheiten auf andere Spezies

Einige Honigbienenkrankheiten können auch auf andere Insekten der gleichen Insektenfamilie übertragen werden (Hymenoptera = Bienen, Wespen, Ameisen). Lange Zeit unklar war ob eine Übertragung von Honigbienenkrankheiten auch auf entferntere Insektengruppen stattfinden kann. Wie eingangs beschrieben konnten Wissenschaftler kürzlich nachweisen, dass drei Bienenviren in Schwebefliegen gefunden wurden (Insektengruppe Diptera = alle Fliegenarten). Auch Schwebefliegen sind wichtige Bestäuber, die unter anderem Blattläuse fressen.

Unklar ist, inwieweit sich die Bienenviren aktiv in den Fliegen selbst vermehren konnten. RNA-Viren können sehr schnell mutieren, so dass sie, auch wenn sie die Bienen oder andere Insekten aktuell nicht krank machen, sich in Zukunft möglicherweise zu tödlicheren Viren entwickeln werden. Da Wildbienen ohnehin einen untergeordneten wirtschaftlichen Nutzen haben werden sie weniger umsorgt als die Honigbienen und könnten durch äußere Umweltbedingungen immungeschwächt letztendlich aussterben. Durch überfüllte, stressige und unhyghienische Lebensbedingungen begünstigt gerade die Massentierhaltung die Ausbreitung von Krankheiten wie die Vergangenheit beispielsweise in Form der Schweine- oder Vogelgrippe zeigten.

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